Die Rolle von Normungen in der  Zahnheilkunde

Dr. Jürgen Carow

Der ursprüngliche Anlass für die Bearbeitung dieses Themas war der
Eindruck des Verfassers – und seiner Kollegen im
Praxisführungsausschuss – dass neben die wissenschaftliche
Zahnheilkunde gesetzliche Vorschriften und Normen die zahnärztliche
Tätigkeit mehr und mehr beeinflussen. Ein Zahnarzt muss heute einen
erheblichen Teil seiner Zeit dafür verwenden, seine Praxis so zu
gestalten, dass die einschlägigen Vorschriften auch ihren Niederschlag
im Praxisalltag finden. Das subjektive Empfinden des Verfassers war das
einer gewissen Machtlosigkeit, Zahnärzte gewissermaßen als Spielball
von Politik und Industrie, mit – wenn überhaupt  - geringen
Einflussmöglichkeiten auf die Gestaltung der sie betreffenden
unzähligen Vorschriften und Normen. Diese Bild hat sich gewandelt.

Zum
einen ist die Zahl von ca. 150 Normen in der Zahnheilkunde nicht
unerheblich, aber sie vermehrt sich, wie der erste Eindruck war, nicht
ständig, sondern sie werden europa- und weltweit synchronisiert. Darin
liegt  auf der einen Seite die Chance, auf Grund der Interessenlage
anderer Nationen die Anforderungen an Medizinprodukte verringert
werden, aber auch, dass die deutsche Dentalindustrie sich der
internationalen Konkurrenz stellen muss. Der Entwicklungsprozess einer
Normung ist transparent und folgt grundsätzlich demokratischen
Gepflogenheiten. Es sollte von der Zahnärzteschaft ein Konzept
erarbeitet werden, wie sich entwickelnde Probleme auf dem
Normungsbereich prospektiv erkennen lassen und im Sinne der Zahnärzte
bearbeitet werden können.
Diese Arbeit kann nicht von
ehrenamtlichen tätigen Zahnärzten bewältigt werden, sondern nur
standespolitisch begleitet werden. Es muss eine Synergie zwischen
hauptamtlichen Experten und standespolitisch Verantwortlichen
entstehen. Der ehrenamtlich tätige Zahnarzt ist Sachwalter aller
deutschen Zahnärzte, während der Experte Sachbearbeiter und
„ausführendes Organ“ ist. Normen müssen verbrauchergerecht sein und
dürfen die Tätigkeit des Zahnarztes nicht dominieren.