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Prof. Zimmer    

„Prophylaxe und Therapie der Karies beim Kind und beim alten Menschen. Ist die Strategie die gleiche?“

Prof. Dr. Stefan Zimmer, Universität Witten/Herdecke

Prof. Dr. Zimmer, Direktor für Zahnerhaltung an der Universität Witten-Herdecke, beleuchtete am Freitag im wissenschaftlichen Schlussvortrag der 26. Karlsruher Konferenz, welche Rolle Karies in unserer Gesellschaft heute spielt und welche Strategien zur Prävention und Therapie der Karies aktuell sind auch im Hinblick auf das Alter der Patienten.
Man täuscht sich: Karies ist kein Problem nur der Kinder. Man nimmt die Sekundärläsionen und Kariesrezidive beim älteren Menschen nur nicht als so gravierend wahr wie die aktiven Läsionen des Wechselgebisses.

Zur Prävention für Kinder gehört die Gruppenprophylaxe in Kindergarten oder Schule, wobei beim alten Menschen die Individualprophylaxe im Fokus steht.
Somit ist bei Kindern die flächendeckende Umsetzung der Prävention nahezu gegeben und Reihenuntersuchung, Ernährungsberatung, Verbesserung der Mundhygiene und Fluoridierung können zur Kariesprophylaxe beitragen. Bei der Fluoridierung als Basisprophylaxe empfiehlt Prof. Zimmer Duraphatlack zu verwenden, der zweimal jährlich appliziert nachhaltig dazu beiträgt, das Fortschreiten der Karies einzudämmen. So wird Karies in Deutschland immer stärker polarisiert und 2006 hatten 10% der Kinder unter 12 Jahren 60% der kariösen Läsionen.
Bei speziellen Risikogruppen kann auch eine Fissurenversiegelung empfohlen werden. Diese Risikogruppen sind vor allem Kinder, die im sozial schwachen Umfeld aufwachsen.
Für ältere Menschen gilt: „Entscheidend ist nicht nur, welche Prophylaxe man als alter Mensch betreibt, sondern welche Prophylaxe man in den Jahrzehnten zuvor betrieben hat.“ Demzufolge fallen laut Prof. Zimmer gesundes Zahnfleisch und gesunde Zähne nicht vom Himmel; man müsse früh genug mit der Prophylaxe anfangen.
Außerdem benötigen Ältere eine speziellen Präventionsstrategie, etwa mit individualisierten Zahnbürstengriffen zu Erleichterung der Mundhygiene oder Mundspüllösungen zur Prävention der Wurzelkaries. Der Prophylaxespezialist empfiehlt, dass Mundspüllösungen für ältere Menschen zum einen Fluorid (mindestens 200-500ppm) für die Kariesprophylaxe und zum anderen antimikrobielle Zusätze zur Parodontitisprophylaxe enthalten sollen. Seiner Einschätzung nach „werden Mundspüllösungen enorm an Bedeutung gewinnen“ und sind „das einzig wirksame Instrument zur Parodontitisprophylaxe“.
Prof. Dr. Zimmers Präventionsstrategie für Pflegebedürftige beinhaltet Fluoridsalz, Getränke mit Süßstoff, Mundhygiene und Prothesenreinigungen durch Pflegekräfte und zahnärztliche Untersuchungen und lokale Fluoridapplikation durch die Hauszahnärzte.

Die Therapie sieht im Milchgebiss vor allem Versorgungsarten vor, die geprägt sind von der Verweildauer der Zähne in der Mundhöhle. So kann Karies im Milchgebiss noch mit Kompomeren oder Glasionomerzementen versorgt werden. Im Gegensatz dazu steht im bleibenden Gebiss eine Restauration, die möglichst langlebig ist im Vordergrund. Außerdem soll minimalinvasiv  - ohne Kronen oder Veneers - therapiert werden, z.B. mit Composite oder der Kariesinfiltration.
Die Therapieoptionen beim älteren Menschen sehen ebenfalls ein minimalinvasives Vorgehen und eine möglichst langlebige Restauration vor. Die Versorgungsart ist jedoch von anderen Aspekten geprägt: zum einen spielt die Belastbarkeit des Patienten eine Rolle und zum anderen die Art der Karies. Beim Älteren muss hier vor allem die auf die Wurzelkaries eingegangen werden. Es besteht bei flachen und wenig aktiven Läsionen die Möglichkeit non-invasiv vorzugehen; d.h. durch Kürrettieren eine bakterienfreie Oberfläche zu schaffen und Fluoridlacke viermal pro Jahr zu applizieren. Bei aktiver Wurzelkaries mit Kavitätenbildung rät Prof. Dr. Zimmer zu einer Füllungstherapie mit Glasionomerzementen oder Composite.

Die Zukunft sieht Prof. Zimmer in der Verlaufsdiagnostik: „Das oberste Ziel muss die Remineralisation möglichst kleiner Defekte sein.“

Dr. Anke Bräuning, M.A.
Akademie für Zahnärztliche Fortbildung

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