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Das restaurative Profil

Prof. Dr. Bernd Klaiber, Würzburg
„Schön und schonend behandeln – Siegeszug der direkten Restauration?“

Prof. Klaiber der gebürtige Karlsruher und erste Walther-Engel-Preisträger verdeutlichte mit aussagekräftigen Vorher-Nachher-Bildern die mannigfaltigen Einsatzmöglichkeiten der direkten Restauration mit Komposit und bewies auf sehr eindrucksvolle Weise, dass weniger manchmal mehr sein kann. Dank fortschreitender Entwicklungen in der Komposit- und Adhäsivtechnologie steht für den Meister der Ästhetik fest, dass die direkte Restauration ein wichtiger Bestandteil der zukünftigen Praxis sein wird.
Schön und gleichzeitig schonend behandeln – ist das überhaupt möglich? Prof. Klaiber beantwortete diese Frage mit einem klaren „ja“ und zeigte gleich zu Beginn seines beeindruckenden Vortages einen Patientenfall aus dem Jahre 1995. Einer jungen Frau mit ausgeprägter Amelogenesis imperfacta gab er Dank der direkten Restauration mit Komposit ihr strahlend weißes Lächeln wieder. Doch was wären die Behandlungsalternativen gewesen? Veneers oder Kronen? Damit wäre vielleicht ein schönes aber wohl kaum ein schonendes Therapieergebnis erzielt worden. Es folgten Fotos derselben Patientin von 2010, die 15 Jahre später nach wie vor das stabile Ergebnis der damaligen Behandlung demonstrieren. Ein anerkennender Applaus erfüllt den Weinbrennersaal.
Alte Techniken neu entdeckt. Bereits 1955 setzte Michael G. Buonocore mit der Einführung der adhäsiven Zahnheilkunde den Meilenstein für eine minimal-invasive und schonende Behandlungsoption. Trotzdem dominierten lange Zeit die von Greene V. Black aufgestellten Präparationsregeln nach dem Prinzip „Extension for prevention“. Sie beschrieben mit Widerstands-, Retentions- und Erleichterungsform ein invasives Vorgehen. Die Zahnmedizin der 80iger Jahre, als Zeitalter der Gnathologie, war von einer maximal-invasiven Restaurationsideologie geprägt. Viele Zähne wurden beschliffen und überkront, weil IKP und RKP nicht identisch waren. Diese Ansichten sind definitiv veraltet. Der Zukunftstrend liegt vielmehr in der Achtung vor der Zahnhartsubstanz, denn laut Prof. Klaiber ist „alles, was wir ersetzen nicht besser als der natürliche Zahn“.
Wie invasiv ist eine Behandlung? Mit Hilfe folgender Gleichung versuchte Prof. Klaiber das Ausmaß von Invasivität darzustellen.

    Wieviel % gesunde Zahnsubstanz wird für die Restauration abetragen?

  ______________________________________________________________= ?

                          Wievie % Zahnhartsubstanz ist zerstört?

Die Formel verdeutlicht, ob unsere Behandlung „angemessen invasiv“ ist. Durch ein neues Kavitätendesign mit Respekt vor der gesunden Zahnhartsubstanz, einem Zugang über die Randleisten sowie weitestgehendem Erhalt der Okklusalfächen und dem Vermeiden von Präparationstraumata, Ausarbeitungsschäden oder Nachbarzahnschädigung, können wir ein schonendes und schönes Behandelungsergebnis erzielen, ermutigt Prof. Klaiber seine Zuhörer. Mit zahlreichen Patientenfällen untermauert er die unterschiedlichsten Indikationen für die direkte Restauration mit Komposit: Von der Reparaturfüllung über das problemlose Ankleben frakturierter Zahnteile bis hin zu hoch ästhetischen Korrekturen wie Lückenschluss oder das Auffüllen „schwarzer Dreiecke“. Dabei ist jedoch eine adäquate Matrizentechnik eine conditio sine qua non, die zum Teil individualisiert werden muss, um einen perfekten Übergang von Zahn zu Komposit sicherzustellen und gleichzeitig eine angenehme Oberfläche für das Weichgewebe zu gewährleisten. Auf diese Weise lässt sich eine natürlich wirkende Zahnform und ein unsichtbarer Übergang von Echtzahn zur Formergänzung herstellen.
Grenzen der direkten Restauration. Natürlich sind der direkten Restauration auch Grenzen gesetzt, die vom Behandler erkannt und respektiert werden müssen. So sollte man bei einem Fehlschlagen der Matritzentechnik oder einer mangelnden Gestaltungsmöglichkeit des Approximalkontaktes von dieser direkten Technik absehen und anderen indirekten restaurativen Maßnahmen den Vorzug geben.
Profil der Zukunftspraxis. Am Ende seines Vortrages fasste Prof. Klaiber sein Profil der Zukunftspraxis so zusammen. „Es gibt Ästhetikfreaks, Ästhetikfundamentalisten und auch Ästhetikterroristen“. Trotzdem sollte für uns Zahnärzte das „primum nihil nocere“ an erster Stelle stehen. Wir dürfen das Risko-Nutzen-Verhältnis unsere Behandlung nicht aus den Augen verlieren. Ferner ist das Prinzip der Verhältnismäßigkeit der angewandten Mittel von zentraler Bedeutung. Mit Komposit gelingt es ein Zahnsubstanz schonendes, dauerhaftes sowie ästhetisch überzeugendes Ergebnis ohne großen finanziellen Aufwand zu erzielen. Es gelingt somit vielen Patienten ein neues Lebensgefühl zu schenken. Die zahnfarbene Versorgung mit Komposit wird zukünftig an Bedeutung gewinnen und wesentlicher Bestandteil unseres Behandlungsspektrums sein.

Dr. Simone Ulbricht

Prof. Klaiber