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Das parodontologische Profil

Prof. Dr. Axel Spahr, Sydney
Infektionskontrolle und Regeneration – Schach dem Gewebsverlust?

Die Parodontologie und das Schachspiel weisen viele Parallelen auf, beginnt Prof. Spahr seinen Vortrag. Das Schachspiel beginnt mit der Eröffnung und den ersten Zügen, die in der Parodontologie mit der Infektionskontrolle gleichzusetzen ist. Sie geht einher mit der Entfernung der Konkremente und der Plaque, der Zerstörung der Biofilmstruktur und der ausreichenden  Reduktion und Elimination der Parodontitiserreger. Die Etablierung einer kompatiblen Mikroflora ist ebenso von Bedeutung wie die Schaffung eine die parodontale Gesundheit fördernde lokale Umgebung. Ebenso wichtig ist die Beendigung der inflammatorischen Reaktion. Wie beim Schach muss auch in der Parodontologie jeder Zug genau überlegt sein. Die Parodontitistherapie alleine erzeugt keine parodontale Regeneration. Diese kann  nur durch die Regeneration der Defekte erzielt werden.
Die verschiedenen Arten der knöchernen Defekte gilt es zu bedenken. Auffallend sind neuerdings Defekte infolge von Zungen- und Lippenpiercings, die zu Rezessionen und Knochendefekten führen. Die Wahl für ein Piercing sollte deshalb nur auf Bereiche außerhalb des Mundes fallen. Durch den histologischen Heilungsprozess nachweisbar wird der vertikale Knochendefekt nur minimal wieder aufgefüllt. Die restliche Tasche wird von Saumepithel besiedelt, welches die Bildung einer neuen Tasche begünstigt. Die schöne Regeneration aus Wurzelzement, Ligament und Knochen, die wir erreichen möchten, bleibt aus. Doch gibt es verschiedene rekonstruktive Techniken und Materialien für die parodontale Regeneration, die im Schach mit einem zusätzlichen Läufer zu vergleichen wären. Sie können in vier Gruppen unterteilt werden:
• Knochen und Knochenersatzmaterialien:  deren Manko ist, dass Osteoblasten
  keinen Wurzelzement bilden und es somit auch nicht zur Ligamentbildung
  kommt.
• Es gibt Wachstums- und Differenzierungsfaktoren, jedoch reichen  diese im
  proteinasereichen Milieu alleine nicht aus. Sie müssen geschützt werden und
  eine Freisetzung nach und nach muss gegeben sein. Leider kann es auch zu
  Wurzelresorptionen kommen.
• Die gesteuerte Geweberegeneration GTR (Membranen) scheint, da nur
  Knochen ohne bindegewebiges Attachment wenig Sinn macht, die Lösung.
  Hierfür sind nicht resorbierbare Membranen, die zu einer Proliferation von
  Wurzelzement und Ligament im Einsatz.
• Gute Ergebnisse erzielen die Schmelzmatrixproteine (Emdogain), die denselben
  Prozess wie bei der natürlichen Entwicklung des Parodonts induzieren, also von
  der Zementogenese über die Bildung von ligamentären Fasern zur
  Knochenbildung führen. Die mikrobiologische Forschung führt zum besseren
  Verständnis der Kollagen-1-Synthese, so wurde der Rezeptor ausfindig gemacht
  an den sie andocken. Das Wissen darüber, welche Zellen, welche Proteine und
  welche Gene daran beteiligt sind, führt zwar zum besseren Verständnis, doch
  das Problem ist noch nicht gelöst, da die einzelnen Sequenzen bei der
  Proteinbiosynthese verschiedene Proteine synthetisieren. So wird z. B. noch
  nach Trägerstoffen für die Proteine gesucht. Abschließend ist zu sagen, dass wir
  aufgrund von Infektionskontrolle und Regeneration viele clevere Züge gegen
  den Gewebsverlust geführt haben, doch auch viele Spiele verloren haben.
  Selbst wenn wir clevere Züge beherrschen, führen diese noch nicht sicher zum
  Schachmatt.

Autorin: ZÄ Simone Kalina  

Prof. Spahr