"Environment, Democracy and Peace: A Critical Link"
Aus dem Vortrag:
Umwelt, Demokratie und Frieden – eine entscheidende Verbindung,so
wird der englische Titel des Karlsruher Vortrags von Frau Prof. Dr. Wangari Maathai am 07. März 2009 übersetzt.
Beeindruckend lebendig in der Körpersprache und im ganzen Erscheinungsbild erzählt die Gastrednerin ihre kindliche Wahrnehmung der Natur in der kenianischen Heimat, von Laich, Kaulquappen und Fröschen, vom schattenspendenden Feigenbaum, der den Bauern heilig war, der
sein Leben zu Ende leben durfte, da er von Gott gepflanzt war. Als er dann doch einer Teepflanzung weichen musste, war mit ihm auch das Wasser verschwunden, ging die Muttererde verloren und mit ihr die über die Zeiten am Ort gewachsenen Natur. Die großen Wälder wurden zu Baumaterial
gemacht. Exotische Ersatzpflanzungen bedeuteten störende Eingriffe in die Biodiversität, die aber wiederum Bedingung für die Lebensgrundlagen einer großen Bevölkerung ist.
Wangari Maathai erfasst von ihrer bäuerlichen Herkunft und ihrer Ausbildung als Biologin her bald die Zusammenhänge. Im Grunde geht es bei den Abwärtstrends in Afrika immer um die Ressourcen, nach denen gierig gelangt wird, auch heute, nicht um Stämme, nicht um Hautfarbe, nicht um Religion.
Sie sind letztlich nur Vorwände zur Gewinnung von Land, Bodenschätzen und Macht. Am Beispiel Sudan/Dharfour ist das aktuell nur allzu sinnfällig.
Wangari bemerkt die Folgen solcher postkolonialen Machtpolitik schon bald nach Ihrer Rückkehr als junge Wissenschaftlerin an die Universität Nairobi. Sie beschließt, dagegen anzugehen. Es ist ein harter Weg, ein zäher, opfervoller Kampf. Immer wieder stößt sie sich an der politischen Realität des
diktatorisch regierten Kenia. Ganz Afrika scheint so zu funktionieren. Sie nimmt es nicht einfach hin. Ihre Erzählung vom Kolibri, der als Bewohner eines brennenden Waldes tut, was er kann und nicht einfach resigniert, ist bezeichnend.
Aber sie schafft mehr als nur symbolisches Tun. Sie lässt sich von den europäischen Initiativen gegen die Zerstörung der Wälder und andere Umweltvernichtungen dazu inspirieren, dem Untergang der
Natur ihrer Heimat den persönlichen, oft auch körperlichen Einsatz entgegenzusetzen. Sie pflanzt Bäume gegen die Resignation, für die Erholung des Landes und bezieht vor allem Frauen darin ein.
1976 bereits gründet sie eine Bewegung, die grüne Gürtel um die zunehmenden Öden der bewohnten Räume von Hand pflanzt, die sich dann im Laufe der Jahre und nach vielen Rückschlägen über ganz Afrika ausbreitet (Green-Belt-Movement). Sie artikuliert so auch ihren Protest gegen die Arroganz der
Macht im Kampf für demokratische Verhältnisse und hat Erfolg.
Wangari Maathai hört nicht auf, ihr Wissen laut werden zu lassen: Bäume und Wälder sind ein einflussreicher Faktor in der Gleichung, die zur Erderwärmung führt. Wälder, die stehen bleiben, und Bäume, die neu gepflanzt werden, geben zwar kein Geld, erhalten und schaffen aber unsere Lebensgrundlagen. Das großflächige Abholzen ist zu etwa 20% an der Entwicklung des
Treibhauseffekts in unserem Klima beteiligt, mehr als der Kohlendioxidanfall durch den motorisierten Verkehr. Natürlich kann sich unser Planet an jede Form der Änderung seiner Atmosphäre anpassen. Ob das der Mensch auch kann, ist jedoch höchst fraglich. Dabei ist es so einfach, Bäume zu pflanzen:
ein Loch graben, ein Bäumchen hinein, auffüllen, gießen!
Nachhaltige Entwicklung, das Gegenteil von ökologischer Aggression, ist ein anderes Wort für Frieden. Wangari Maathai belegt das mit ihren realen Visionen, die sie gläubig und erfolgreich umsetzt. Sie ist die „Mutter der Bäume“ und ihrer drei Kinder. Es war wahrlich kein Vortrag nur für Förster. Stehende anhaltende Ovationen der 1400 Gasthörer bestätigten das ebenso wie Professor
Klaus Töpfer, der frühere Exekutivdirektor der UNO für Umweltfragen in Nairobi, zeitweise nachbarlicher Weggefährte der Professorin. Er überreichte ihr auch die Bronzeplastik zum Vortrag „Mund auf“. Der Karlsruher Vortrag, eine Stunde gespanntes Zuhören, ist ein gesellschaftliches, wieder einmal gelungenes Ereignis für Stadt und Region, ausgerichtet von der Akademie für
Zahnärztliche Fortbildung Karlsruhe unter ihrem Leiter Prof. Dr. Winfried Walther.
Prof. Dr. Dr. A. Erle, Karlsruhe/Magdeburg