Prof. Dr. Lilia Shevtsova
Carnegie Endowment, Moscow
"Putins Russland – Neue globale und innere Herausforderungen einer früheren Weltmacht"
"Der zweite Weg, den Präsident Putin einschlagen könnte, die Reform des Regimes, ist riskanter, bietet keine Erfolgsgarantien und schließt eher die Möglichkeit ein, dass er sich dabei das Genick bricht. Wenn das politische Steuer nicht mit Umsicht betätigt wird, könnte die Reform in Gorbatschowismus enden, wobei der Mann an der Spitze die Kontrolle über die Macht und über die Ereignisse verliert. Wladimir Putin könnte aber auch Glück haben. Wenn er sich dazu entschlösse, das Regime zu öffnen und auf dem schmalen Grat zu wandern, ohne dabei zu scheitern, würde er etwas erreichen, was noch keinem russischen oder sowjetischen Staatschef vor ihm gelungen ist: Er würde mit dem Aufbau eines verantwortungsbewussten Regierungswesens beginnen, das nicht auf den irrationalen oder mystischen Kräften des Mannes an der Spitze, sondern auf Rechtsstaatlichkeit aufgebaut wäre. Das wäre ein neues Kapitel in der russischen Geschichte. Sich zu überwinden und neue Antriebskräfte oder ein neues Geschick zu finden, reicht aus, jede Nation groß und jeden Staatschef denkwürdig zu machen."
Schlusswort: Klaus Michael Willimek, Chefredakteur Badische Neueste Nachrichten