Prof. Dr. Stefan Zimmer, Universität Witten/Herdecke
Karies ist eine Erkrankung, die unabhängig vom Alter den gleichen ätiologischen und pathologischen Regeln folgt. Bedeutet dies, dass die Strategie zur Vorbeugung und Behandlung der Karies im Kindes und Seniorenalter ebenfalls identisch ist?
Aus unserem aktuellen Blickwinkel betrachtet lautet die Antwort nein. Für die Prävention der Karies im Kindesalter wird neben der häuslichen Vorbeugung vor allem das Instrument der Gruppenprophylaxe genutzt, beim alten Menschen steht die Individualprophylaxe viel stärker im Fokus. Auch die eingesetzten Produkte sind unterschiedlich. Während in der Gruppenprophylaxe vor allem hoch konzentrierte Fluoridlacke eine Rolle spielen, sind es bei Senioren eher Mundspüllösungen.
Angesichts der Tatsache, dass derzeit in Deutschland ca. 2,3 Millionen Menschen pflegebedürftig sind und davon etwa 700.000 in der stationären Pflege, spricht allerdings viel dafür, zumindest für diesen Teil der Seniorenbevölkerung eine Art Gruppenprophylaxe zu etablieren.
Die Strategie der Kariestherapie ist bei Kindern und alten Menschen vielfach unterschiedlich, wenn auch oft nicht klar umrissen. Gründe hierfür sind z.B. unterschiedliche Lokalisationen (Fissurenkaries vs. Wurzelkaries), unterschiedliche Anforderungen an die Haltbarkeit (Milchgebiss vs. bleibendes Gebiss), das unterschiedliche Zahnalter mit seinen Implikationen (voluminöse Pulpa vs. weitgehend kalzifizierte Pulpa) sowie bei multimorbiden älteren Patienten auch die Limitationen bei Mobilität und körperlicher Belastbarkeit.